„Wieso überhaupt Arbeitgeberwerte? Wir haben doch schon Unternehmenswerte.“
Viele Unternehmen halten das Wertethema für Berater-Gerede. Oder sie glauben, dass Unternehmens- und Arbeitgeberwerte identisch zu sein haben. Ist in Wahrheit aber ganz anders.
Unternehmen müssen im Wettbewerb bestehen und kompensieren den Einsatz der Mitarbeiter. Alles, was dabei übers Geld hinausgeht, ist weder Nettigkeit noch Moral, sondern Teil des Deals: Sicherheit, Entwicklung, Flexibilität und dergleichen mehr bieten Unternehmen nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern um die Mitarbeiter bei Laune und Kräften zu halten.
Und hier ist der Punkt:
Unternehmenswerte beschreiben, wie ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein will. Arbeitgeberwerte beschreiben, wie viel Belastung, Unsicherheit und Leistungsdruck man Menschen dafür zumutet – und was man ihnen im Gegenzug bietet.
Was also können echte Arbeitgeberwerte bewirken?
Die Betonung liegt auf echt. Sie zeigen, wie fair man bleibt, wenn es eng wird. Wie verbindlich, wenn Leistung gefordert ist. Wie klar, wenn Interessen kollidieren.
Dann können sich Mitarbeiter daran orientieren und darauf berufen. Entsprechende Menschen werden sich bewerben und die, die nach anderen Werten funktionieren, werden langfristig gehen. Win win.
In der Praxis sieht es jedoch oft so aus. Man formuliert wohlklingende Werte, die aber im Alltag ständig relativiert werden: Vertrauen – solange es läuft. Eigenverantwortung – solange nichts schiefgeht. Flexibilität – solange sie nichts kostet.
Man braucht die Werte also nicht ernst zu nehmen, sie klingen nur gut und stehen in schicken Präsentationen. Dann kann man es auch gleich lassen.
Deshalb: Wenn schon, dann ehrlich sein.
Von oben herab etwas zu erfinden, ist Energieverschwendung. Lasst eure Leute beim Definieren der Werte mitreden. Sie wissen genau, nach welchen ungeschriebenen Gesetzen im Alltag entschieden wird. Denn sie spüren es am eigenen Leib.
Sibylle Frank


